Warum du Resistenzen unbedingt vermeiden solltest und wie du dich davor schützen kannst.
Du feierst viel, bist oft unterwegs, hast Sex mit chems – oder du kümmerst dich um andere, hast wenig Kraft, kämpfst mit psychischen Belastungen oder vergisst Dinge leichter als früher?
Es gibt leider so viele Wege, wie die HIV-Therapie aus dem Rhythmus geraten kann. Und jeder davon kann das Risiko für Resistenzen erhöhen. Dieser Artikel erklärt, was dabei im Körper passiert und was du darüber wissen solltest.
Hier ist noch alles in Ordnung:
Es ist genug Wirkstoff im Körper, der den Virus daran hindert, sich zu vermehren.
Aber manchmal passiert, was nicht passieren darf: Eine Tablette wird vergessen. Dann sinkt der Wirkstoffspiegel im Körper, und die Therapie kann ihre Wirksamkeit verlieren.1 Das bedeutet, dass HI-Viren sich wieder vermehren können und das Risiko für Resistenzen steigt. Denn wenn HIV gegen einen bestimmten Wirkstoff resistent wird, hat es «gelernt» , diesen zu umgehen – was dazu führen kann, dass die bisher eingesetzte HIV-Therapie dauerhaft nicht mehr wirksam ist und eine Umstellung auf andere Medikamente notwendig wird.
Mit weniger Wirkstoff im Körper kann sich das HI-Virus wieder vermehren:
Aber keine Sorge! Wahrscheinlich nimmst du deine Medikamente sowieso korrekt ein. Sprich mit deinem*r Ärzt*in darüber, wenn du mal Druck verspürst, deine Medikamente nicht immer korrekt einnehmen kannst und wie Resistenzen verhindert werden können.
Was sind Resistenzen?
Je mehr sich ein Virus vermehren kann, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass unter den vermehrten Viren Mutationen entstehen. Und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter den mutierten Viren solche sind, gegen die Medikamente nicht mehr wirksam sind. In diesem Fall spricht man von Medikamenten-resistenten Virusvarianten.
Einige Viren sind resistent gegen das derzeit eingesetzte HIV-Medikament geworden:
Diese resistenten Formen werden nicht mehr durch das aktuell eingenommene Medikament gestoppt – das Virus kann sich wieder vermehren, obwohl die Medikamente wie vorgesehen eingenommen werden.
Warum sind Resistenzen so problematisch?
Die Folge von Resistenzen ist häufig, dass die Therapie auf andere Medikamente umgestellt werden muss – solche, die noch wirksam gegen das mutierte Virus sind. Diese anderen Therapien können dann aus deutlich mehr Tabletten als vorher bestehen oder gar nebenwirkungsreicher sein.2
Dazu käme, dass ein oder mehrere HIV-Medikamente nicht mehr für dich in Frage kommen – weil sie nicht mehr gegen das resistent gewordene Virus wirken – und es nur eine begrenzte Zahl von HIV-Therapien gibt.
In Fällen, in denen eine entstandene Resistenz nicht bemerkt und die Therapie nicht darauf angepasst wurde, kann sich das Virus wieder vermehren. HIV ist dann wieder übertragbar und die eigene Gesundheit wird beeinträchtigt.
Wie vermeidet man Resistenzen?
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine unregelmäßige Einnahme der Medikamente heutzutage eine der häufigsten Ursache für Resistenzen darstellt.3 Um Resistenzen zu vermeiden, ist es deshalb entscheidend, die Medikamente konsequent so einzunehmen, wie es mit dem*der Ärzt*in vereinbart wurde.
Erzähl deinem Arzt oder deiner Ärztin ehrlich von deinen Lebensherausforderungen und Wünschen und frage nach der Therapie, die dich bei den Herausforderungen im Leben am besten unterstützt.
Moderne HIV-Therapien sind so entwickelt, dass sie nicht nur effektiv, sondern auch robust sind.
Das kann für Menschen mit besonderen Herausforderungen besonders relevant sein. Wer beispielsweise unter psychischen Erkrankungen leidet, Drogen konsumiert oder schwierige Lebensumstände hat, dem fällt es manchmal schwerer, Therapien konsequent einzuhalten.4 Denn Depressionen, Angststörungen, Chemsex, Stress oder finanzielle Sorgen können Motivation und Alltagsstruktur beeinträchtigen und verlässliche Medikamenteneinnahmen erschweren.4,5
Frage deinen Arzt oder deine Ärztin, wie du dich noch zuverlässiger und robuster vor Resistenzen schützen kannst.
Aids-Hilfe Schweiz betont in diesem Zusammenhang, dass regelmässige Therapiegespräche mit den behandelnden Ärzt*innen und die Wahl einer einfach zu handhabenden Medikation wichtig für den Schutz vor Resistenzen sind!6
Weiterführende Informationen: Hoffmann C, Rockstroh J: HIV 2022/2023; www.hivbuch.de. | Positive Life – Wie führt man ein gutes Leben mit HIV? https://positive-life.ch. | EACS (European AIDS Clinical Society) Guidelines 2023; https://eacs.sanfordguide.com.